Anima

Beseeltes Wesen ist lebendiges Wesen.

Was Seele ist und Seele ausmacht drückt C. G. Jung in seinen Überlegungen "Über Archetypen des kollektiven Unbewussten" so aus:

Seele ist das Lebendige im Menschen, das aus sich selbst Lebende und Lebenverursachende; darum blies Gott dem Adam einen lebendigen Odem ein, damit er lebe.

Die Seele verführt die nicht lebenwollende Trägheit des Stoffes mit List und spielerischer Täuschung zum Leben. Sie überzeugt von unglaubwürdigen Dingen, damit das Leben gelebt werde. Sie ist voll von Fallstricken und Fußangeln, damit der Mensch zu Fall komme, die Erde erreiche, sich dort verwickle und daran hängenbleibe, damit das Leben gelebt werde; wie schon Eva im Paradies es nicht lassen konnte, Adam von der Güte des verbotenen Apfels zu überzeugen.

Wäre die Bewegtheit und das Schillern der Seele nicht, der Mensch würde in seiner größten Leidenschaft, der Trägheit, zum Stillstand kommen. Eine gewisse Art von Vernünftigkeit ist Ihr Anwalt, und eine gewisse Art von Moralität gibt dazu Ihren Segen.

Seele zu haben, ist das Wagnis des Lebens, denn die Seele ist ein lebenspendender Dämon, der sein elfisches Spiel unterhalb und oberhalb der menschlichen Existenz spielt, deshalb ist er innerhalb des Dogmas auch mit einseitigen Strafen und Segnungen bedroht und propitiiert, welche weit über menschenmögliches Verdienst hinausgehen.

Himmel und Hölle sind Schicksale der Seele und nicht des zivilen Menschen der in seiner Blöße und Blödigkeit in einem himmlischen Jerusalem gar nichts mit Sich anzufangen wüsste.